Achtung Abwerbung

Achtung, Abwerbung!

TREND

Im „War for Talent“ sind Fachkräfte in allen Betrieben gefragt. Unternehmen müssen sich jetzt vor Abwerbeversuchen schützen, um Mitarbeiter zu halten.

Ambitionierte Fachkräfte mit umfassenden Qualifikationen passen genau in ihr Beuteschema: Moderne Kopfgeldjäger begeben sich in der Zeit des Fachkräftemangels wieder auf die Pirsch. Das bedrohliche Bild hören Personalberater selbst natürlich ungern. Doch tatsächlich dreht sich das Abwerbekarussell wieder schneller. Nach Aussage des Bunds Deutscher Unternehmensberater sind die Personalberater derzeit so erfolgreich aufgestellt wie zuletzt zur Jahrtausendwende. 2006 verzeichneten sie 58000 Suchaufträge von ihren Klienten, 2005 waren es noch 49500. Und im vergangenen Jahr konnten die Beratungsfirmen ihren Umsatz noch um knapp zwölf Prozent steigern.

400.000 Fachkräfte fehlen

Dazu trägt der Fachkräftemangel kräftig bei. Nach einer Studie der Deutschen Industrie- und Handelskammer fehlten der deutschen Wirtschaft im vergangenen Jahr rund 400000 Fachkräfte. Auch eine Haufe-Studie zum Fachkräftemangel im Mittelstand kommt zu dem Ergebnis, dass 70 Prozent der befragten Unternehmen unter einem Fachkräftemangel leiden. Gleichzeitig melden die Maschinenbauer sowie die Metall- und Elektroindustrie, dass sie allein im Januar schon Zehntausende neue Stellen geschaffen haben. Doch was die Branche der Personalberater erfreut, ist für viele Firmen bedrohlich: Fachkräfte bleiben Mangelware. Wo sie abgeworben werden, entstehen große Lücken im Personal. Das betriebsinterne Know-how geht mit der Innovationskraft der Fachkräfte an ein anderes Unternehmen verloren.

Rechtlich gegen Abwerbung wehren

Wie können sich Unternehmen gegen Abwerbung schützen? Rechtlich gesehen gibt es einige Möglichkeiten, um Abwerbeversuche im eigenen Unternehmen zumindest einzuschränken. Das aktuelle Urteil des BGH zum Erstkontakt von Headhuntern zeigt, dass sich der Arbeitgeber durchaus wehren kann. Langfristig müssen Unternehmen die rechtlichen Maßnahmen aber mit einem Konzept der Mitarbeiterbindung kombinieren. Was Mitarbeiter in ihrer Freizeit tun, fällt schließlich nicht unter die Kontrolle des Arbeitgebers. Ist eine Fachkraft prinzipiell bereit, das Unternehmen zu wechseln, wird sie dies auch früher oder später tun. Mitarbeiter an das Unternehmen zu binden, bekommt damit eine aktuelle und sogar existenzielle Bedeutung. So bestätigten 85 Prozent der Unternehmen in einer europaweiten Studie von Mercer, dass die Bindung von Leistungsträgern 2008 die größte Herausforderung ist.

Mitarbeiterbindung spart Kosten

Was nach einem „weichen” Thema im Zusammenhang mit Mitarbeitermotivation und -zufriedenheit klingt, basiert auf harten Fakten: Durch effektive Maßnahmen sinkt die Fluktuation, weniger Fehlzeiten werden registriert und die durchschnittliche Betriebszugehörigkeit steigt. So schlägt sich die Mitarbeiterbindung auf die Kosten nieder. Laut des Arbeitsklima-Barometers des Marktforschungsinstituts Ifak kostet eine geringe Mitarbeiterbindung deutsche Unternehmen Milliarden. Zum Beispiel fehlt ein Arbeitnehmer, der sich nicht an das Unternehmen gebunden fühlt, im Schnitt 9,3 Tage pro Jahr. Bei den Mitarbeitern mit hoher Bindung sind es 5,9 Tage.

Die konkreten Maßnahmen in der Mitarbeiterbindung, wie Bonuszahlungen oder Unternehmens-Events, sind nicht neu. Genauso ist schon lange bekannt, dass allein ein höheres Gehalt noch nicht dazu führt, dass Mitarbeiter im Unternehmen bleiben. Doch nicht jede Maßnahme ist für jedes Unternehmen und jeden Mitarbeiter geeignet. Die unterschiedlichen Studienergebnisse zu den wichtigsten Maßnahmen verdeutlichen dieses Problem. Mal gelten die Karrierechancen, mal das Betriebsklima als ausschlaggebend für die Mitarbeiterbindung. Wichtig ist deswegen ein strategisches Konzept, das Personaler auf ihr Unternehmen abgestimmt anwenden können.

Quelle: personalmagazin, Heft 05/2008